Auffangstation Wagenplatz

    • Auffangstation Wagenplatz

      Bin vorhin damit konfrontiert worden, dass Wagenplätze eine Auffangstation seien. Weiß selbst noch nicht wie ich das interpretieren soll aber irgendwie beschäftigt es mich gerade. Klar, hier kommen oft Leute an, die sonst nirgends Anschluss finden oder in der Gesellschaft nicht akzeptiert wurden. Die meisten Plätze haben halt keine dogma oder sehr flache Hirachien. Wie seht ihr das? Habt ihr auch viel Zulauf von Menschen die bei euch einfach abhängen wollen weil sie nicht wissen wohin? Wie geht ihr damit um?
    • Da gab es mal eine schöne Facharbeit zu dem Thema, auf die schnelle find ich die aber nicht. Vielleicht ist sie ja hier schon irgendwo im Wagendorf. Ein Wagenplatz ist oftmals ein unkommerzieller Platz der frei gestaltet wird, klar zieht dieser dann Menschen an - und damit meine ich jetzt keine reichen Bonzen :P
      Es sucht sich halt jeder Mensch den passenden Ort. Mit glück harmoniert das ganze und wird nicht zum Stressfaktor

      Die Bucht in Berlin ist momentan groß in den Medien und neben dem Wagenplatz (Projekt_en?) gibt es eine der größten Platten (Camps für Obdachlose) in Deutschland. Dieser Auszug aus einem der Artikel bringt es so ziemlich auf den Punkt:
      »Die Menschen hier benötigen unterschiedliche Dinge«, erklärt die junge Frau aus dem Camp. »Für manche der Älteren hier oder die Straßenkinder und Familien wäre so eine Unterkunft sicher gut.« Andere bräuchten eher einen autonomen Freiraum wie einen Wagenplatz. »Für viele ist ein Leben in der Gesellschaft mit Zwängen verbunden, denen sie sich nicht unterwerfen wollen oder können«, beschreibt sie die Schwierigkeiten, die manche der Menschen haben.
      neues-deutschland.de/artikel/1…ucht-nach-karlshorst.html
    • Bus Kind :

      Bin vorhin damit konfrontiert worden, dass Wagenplätze eine Auffangstation seien. Weiß selbst noch nicht wie ich das interpretieren soll aber irgendwie beschäftigt es mich gerade.
      Warum sollten Wohnungsnot, Gentrifizierung,
      Entmietung und spekulativer Leerstand unsichtbar an Wagenplätzen vorübergehen.
      Menschen verlieren fortwährend und unverschuldet ihre Wohnungen.
      Schade, dass dich das erst gerade und nicht
      schon länger beschäftigt.
    • GAst :

      Menschen verlieren fortwährend und unverschuldet ihre Wohnungen.
      Schade, dass dich das erst gerade und nicht
      schon länger beschäftigt.
      es spitzt sich halt tatsächlich zu und ist "inzwischen" bei der Mittelschicht angekommen. Wir wissen ja nicht wann @Bus Kind die Augen geöffnet hat, wiealt und wie es bisher gelebt hat ;)
      @lina4 der ausschnitt ist echt nicht schlecht, Diese Doktor-Fach-Whatever Arbeit würde mich tatsächlich mal interessieren! Hier im Forum hab ich diesbezüglich leider nichts gefunden, evt kann ja jemand weiterhelfen oder andere Schriftstücke die diese Thematik behandeln verlinken :thumbup:
    • Bus Kind :

      Wie seht ihr das?

      Grundsätzlich würde ich die Begriffe Auffangstation und in Ruhe abhängen wollen positiv sehen.
      Was meinst Du jetzt genau, Auffangstation für Wagenplatzbewohner, oder für uneingeladene Stammgäste?
      Problematisch wäre höchstens, irgendwann das Gefühl zu haben, sich als unbezahlter Sozialarbeiter täglich mehrere Stunden lang die Probleme von anderen Leuten anhören zu müssen... an der Stelle würde ich versuchen möglichst nett rüberzubrigen keine Zeit/Lust drauf zu haben.

      Wobei "Auffangstation" wirklich noch nett klingt. Zum Wohnen in Schrebergärten gab es kürzlich von seiten Daniela Duterte's die Befürchtung, daß sich dann "Favelas" bilden: taz.de/Wohnen-in-Schrebergaerten/!5644683/
      Die Sorge wegen krimineller Ghettos mal beiseite, ist die Problematik ähnlich wie bei Auffangstationen: Für manche ist es ein freiwillig gewählter Freiraum, für andere eine Notlösung.
      Oktober ist ja dann bald vorbei...
    • ast :

      GAst :

      Menschen verlieren fortwährend und unverschuldet ihre Wohnungen.
      Schade, dass dich das erst gerade und nicht
      schon länger beschäftigt.
      es spitzt sich halt tatsächlich zu und ist "inzwischen" bei der Mittelschicht angekommen. Wir wissen ja nicht wann @Bus Kind die Augen geöffnet hat, wiealt und wie es bisher gelebt hat ;)
      Buskind hat die letzten 20 Jahre unter nem Stein geschlafen :D
    • Als „Auffangstation“ würde ich das jetzt nicht bezeichnen. Ich wohne seit ca. 3 Monaten im Bauwagen und bin Vorallem aus Überzeugung hier hin gezogen. Der Bauwagen ist eine gute Lösung um einem autarkem Leben ein Stück näher zu kommen. Es fühlt sich nach Freiheit an sich weitestgehend selbst um alles zu kümmern. Für mich bedeutet es Unabhängigkeit. Und es ist auch iwie schön ein ewiges Projekt zu haben ... sich in seinem Wohnraum kreativ ausleben zu können. In meiner Wohnung vorher habe ich mich eingeengt gefühlt .. klar sind es oft Menschen, die in der Gesellschaft oder Matrix nicht so gut zurechtkommen, oft jedoch aus Überzeugung. Es ist ein bewusster Entschluss, die Suche nach einem Leben, einer Gesellschaft, die besser zu einem passt. Ähnliche Werte vertritt etc. Auffangstation hört sich für mich nach Absturz an und das finde ich sehr schade, einfach nur weil einem ein alternativer Lebensweg mehr liegt..
      sicherlich gibt es auch Menschen, die auf wagenplätzen aufgefangen werden aber die gibt es ja auch in Wohnungen, Häusern etc. Da ne Kausalität herzuleiten finde ich etwas übertrieben. Vielleicht ist dieses Wort „Auffangstation“ gar nicht so negativ behaftet wie ich es gerade darstelle und evtl. Einfach ein Ort, an dem sich Menschen frei entfalten können und man den Menschen zeigt, sie darin bestärkt sie selbst zu sein..
      Es soll doch einfach jeder leben wo und wie er möchte. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir anderen Lebensarten mit Interesse Entgegenkommen, statt vorurteile zu haben..
    • "Ich wünsche mir eine Welt, in der wir anderen Lebensarten mit Interesse Entgegenkommen, statt vorurteile zu haben.."

      In diesem Zusammenhang ist es nicht unwichtig, sich mit Menschen zu befassen, die durch krisenhaften Situationen bedingt ( Wohnungsverlust z. B.) im Wagendorf aufschlagen und nicht weiterwissen. Man kann sagen, keine Sozialberatung leisten zu können. Man kann sagen, nicht unablässige Lust auf emotionalen Mülleimer zu haben. Von leeren Solidaritätsbekundungen hat niemand etwas.
      Wer da bräsig seinen Status Quo im Wagen verteitigt, ist nicht besser als ein futterneidischer AfDler. Es wird auch niemand davon abgehalten, sich an Häuserkämpfen zu beteiligen um Wohnungslosigkeit präventiv zu bekämpfen.
    • <p>
      </p>. „Es wird auch niemand davon abgehalten, sich an Häuserkämpfen zu beteiligen um Wohnungslosigkeit präventiv zu bekämpfen.“

      Ich glaube du hast mich missverstanden. Wie schon erwähnt, kann es sein, dass das Wort Auffangstation für mich sehr Nagativ behaftet klingt. Es hört sich sich so an, als würde jeder der im Wagen lebt nicht in der Welt klarkommen und das habe ich verteidigt. Natürlich gibt es Menschen, die aus Notlösung heraus auf einen wagenplatz ziehen aber ist der Platz dann automatisch eine Auffangstation?
      Beispiel: jemand kann in seinem Einfamilienhaus nicht mehr leben und zieht in eine Wohnung. Natürlich fängt die Wohnung diesen Menschen in dem Moment auf, aber sind Wohnung deswegen automatisch eine Auffangstationen? Oder jemand geht aus der Selbstständigkeit zurück in nen Job weil er es zb. Finanziell sonst nicht schafft. Der Job kann den Menschen in dem Moment auffangen aber das macht Jobs allgemein nicht zu Auffangstationen usw.
      Was ich damit sagen will, es ist einfach zu willkürlich eine kausalität zwischen Bauwagenleben und Auffangstation herzuleiten. So könnte man auch sagen, alle Wagenleute sind Kiffer, Punks, anfifaanhänger etc. ( nicht abwertend gemeint, sind nur Beispiele) Trifft auf einige bestimmt zu, ist aber schwaches Schubladendenken..
    • Es ist eine absolut elitäre Angelegenheit im Bauwagen zu wohnen.
      Was im Immobiliensektor kostet, ist die "Lage".
      Auf viele Wagenplätze übertragbar, sind die meisten Stellplätze unbezahlbar.
      Ich gehe nen paar Meter und gucke dem Bieber beim Bäume fällen zu.
      Auffangsstelle?
      Nee, eher Nobelherberge! :)
    • Problematisch wäre höchstens, irgendwann das Gefühl zu haben, sich als unbezahlter Sozialarbeiter täglich mehrere Stunden lang die Probleme von anderen Leuten anhören zu müssen... an der Stelle würde ich versuchen möglichst nett rüberzubrigen keine Zeit/Lust drauf zu haben.

      Diese Erfahrung habe ich leider schon gemacht, dass sich die größten Deppen mit all ihren Problemen bei einem breit machen... Probleme wie nachts bei anderen Leuten in den Wagen zu gehen, um eine Zigarette zu schnorren, weil ein Nähedistanzfehlempfinden vorliegt. ---Den Gästewagen renovieren müssen und Nadeln finden, weil leider damit nicht sorgsam umgegangen wurde.
      Fremde Leute, die keiner kennt, nachts beim v***** am Lagerfeuer erwischen... Weil das ein reizvoller Ort ist.
      Es kann durchaus unangenehme Situationen geben, trotzdem freue ich mich über Gäste. Und aus manchen Fehlern lernt man ;)
      Es gibt halt auch Deppen, die es ausnutzen, frei nach dem Motto: ihr seid doch alternativ, bringt mein Leben wieder in Ordnung.
      Urlaub auf die Barrikaden! Erstmal nen Molotowcocktail!
    • Chaosfisch :

      Problematisch wäre höchstens, irgendwann das Gefühl zu haben, sich als unbezahlter Sozialarbeiter täglich mehrere Stunden lang die Probleme von anderen Leuten anhören zu müssen... an der Stelle würde ich versuchen möglichst nett rüberzubrigen keine Zeit/Lust drauf zu haben.
      Diese Erfahrung habe ich leider schon gemacht, dass sich die größten Deppen mit all ihren Problemen bei einem breit machen...
      Ja sowas passiert ganz schnell. Wir mussten leider auch "Regeln" die eigentlich selbstverständlich sind aufstellen weil es zuviele Menschen gab die unsere Gastfreundschaft ziemlich ausgenutzt haben. Ich helfe gernen anderen und habe auch stets ein offenes Ohr, wenn ich aber direkt von der Arbeit (Soz. Päd) nach Hause komme und dort quasi wieder in die Rolle meines Jobs falle nervt das auf dauer ziemlich..
    • Chaosfisch :

      Den Gästewagen renovieren müssen und Nadeln finden, weil leider damit nicht sorgsam umgegangen wurde.

      Lena :

      Wir mussten leider auch "Regeln" die eigentlich selbstverständlich sind aufstellen weil es zuviele Menschen gab die unsere Gastfreundschaft ziemlich ausgenutzt haben.
      Ganz ohne Regeln geht es leider nicht, bzw nur wenn die Gemeinschaft passt. Einige dieser beschriebenen "Kandidaten" kennen soetwas nicht und haben oftmals Probleme. Auch wenn ich der Ansicht bin, dass jeder tun und lassen sollte was er möchte (auch Konsumieren) brauchen manche Menschen wohl Richtlinien. Wenn auf dem Gemeinschaftstisch der Spiegel mit Zeugs drauf vergessen wird oder irgendwo Nadeln rumfliegen ist halt schluss mit lustig!
      Wir haben zb ein komplettes Alk Verbot eingeführt, nachdem wir nach wenigen Monaten schon frühs ein Klientel auf dem Platz hatten die sich komplett weggesoffen haben. Wenn sie zumindest halbwegs gesittet gehandelt hätten, hätte wohl keiner ein wirkliches Problem, aber als dann Flaschen geflogen sind, Schlägerei, rumgeschrien wurde war es halt vorbei. Sowas schadet dem Platz und der Gemeinschaft und kann dann halt nicht gedultet werden.

      Chaosfisch :

      Fremde Leute, die keiner kennt, nachts beim v***** am Lagerfeuer erwischen... Weil das ein reizvoller Ort ist.
      Seit wann schreibt man FICKEN mit V? :huh:
      If cats could talk to cops - they wouldn’t!
    • Ich finde die trendigen wohlorganisierten Kleinfamilienpärchen mit Job und Auto und niedlichen Einzelkindchen und mindestens einer Wohnung "nebenbei" in netten ordentlichen Wagen wesentlich zerstörerischer für die Wagendorfkultur.
    • bim :

      Ich finde die trendigen wohlorganisierten Kleinfamilienpärchen mit Job und Auto und niedlichen Einzelkindchen und mindestens einer Wohnung "nebenbei" in netten ordentlichen Wagen wesentlich zerstörerischer für die Wagendorfkultur.
      Trendy Rich Kids sind aber eher auf gepachteten dafür zertifizierten ausgewiesenen der Flächennutzung bestimmten Plätzen in Tinyhouses anzutreffen. Denke mal dorthin kommen eher selten diese Menschen von denen hier die rede ist :)
    • Da sieht man doch eigentlich wie paradox das ganze ist. Auf der einen Seite werden Projekte nicht erstgenommen, auf der anderen Seite übernehmen sie die Aufgabe die der Staat verkackt hat. Auch das angesprochene Thema mit den Spritzen ,, wie schade ist dass denn bitte wenn Suchtkranke Menschen sich auf einem Wagenplatz wohlerfühlen als bei anderen Anlaufstellen? Da läuft doch etwas gewaltig schief! Wobei ich sagen muss, dass ich bisher auf noch keinem Platz war der komplett abgejunkt ist. Nicht, dass es jetzt hier so rüberkommt, dass alle Wagenmenschen am abkacken sind :D
      Fazit: Wagenplätze braucht es einfach!
    • 'nabend!
      Also, aus 20 Jahren Wagenleben kann ich mal sagen, ich entsinne mich an viele, viele schöne Begegnungen mit Menschen, die häufig zum Wagenplatz kamen und sich dort wohl fühlten, zur Ruhe kamen. Ich kann mich aber auch an völlig nervige Sitationen erinnern, etwa als M., selbst Wohnungsmenschin mit nicht einfacher Psyche, uns wirklich total kaputte Leute vorbei brachte mit dem Vermerk "Die kümmern sich um Dich und hier kannst Du bleiben", und dann ging sie. Ich würde mal sagen, ein Wagenplatz sollte im Idealfall ein halböffentlicher Raum sein, ein Raum, an dem Menschen sein können, aber an dem durchaus auch Privatsphäre geachtet wird.

      Soviel mal von mir.

      Gruss, der chicken